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Donnerstag, 6. Juni 2013

18. TAG Den ersten Berg bezwungen

Die Nacht war wieder kalt. Mit der Rettungsdecke im Schlafsack aber dann doch zu warm. Um halb Zwei musste ich mal. Es ist im Osten am Horizont schon hell und Licht braucht man auch keines mehr. Ich denke, irgendwann werde ich mir die Augen verbinden müssen, um noch an Schlafen denken zu können. Am Morgen schien schon die Sonne und ich starte früh in den Radlertag. Es wird bereits warm und ich entscheide mich den Radweg bis etwas nach Örebro zu nehmen. Wie sich später herausstellt, eine gute Entscheidung. Traumhafte Landschaft und absolut kein Verkehr. Mehrere Seen mit tiefblauem Wasser laden immer wieder zum Stehenbleiben ein. Urplötzlich hört die asphaltierte Straße auf und wird zu einem Güterweg. Gott sei Dank hab ich mich vorher gestärkt. Der Weg führt über den höchsten Berg, den ich bisher erklommen habe. Immerhin 217 m hoch ist der Pass. Wäre eine tolle Mountainbiketour für unsere Mädels als Alternative zum gesperrten Netschleweg. Ich fahr es nächtesmal auch ohne Gepäck. Der Verkehr ist hier am stärksten. Kein Wunder: oben angekommen ist ein See, an dem viele am Baden sind, idyllisch gelegen und das Wasser glasklar. Ich wundere mich schon den ganzen Tag, warum denn alle Männer zu Hause sind und die Schulen geschlossen sind. Es ist Nationalfeiertag in Schweden. Ich fahre weiter und suche den nächstengelegenen Campingplatz auf. Der nächste liegt über 30 km entfernt und das ist mir doch noch zu viel zum radeln. Der See beim Platz lädt zum Baden ein. Ich aber wasche wieder einmal alles durch. Heute wird es noch trocknen. Die Sonne geht erst nach 22 Uhr unter. Das war wieder ein perfekter Tag mit Sonnenschein, Wind von hinten und einer kitschig schönen Landschaft. Ich bin zufrieden und freue mich auf Morgen. Tschau

Mittwoch, 5. Juni 2013

17. TAG Schwedens hängende Fahnen

Die Nacht war wieder sehr kalt. Ich habe gefroren und konnte nicht gut schlafen. Am Morgen schien dann die Sonne aufs Zelt und es wurde gemütlich warm. Ich wollte einen Ruhetag machen und blieb bis acht Uhr liegen. Nachdem ich gestern wegen des Windes den Kopf hängen habe lassen, hängen heute die Fahnen auf dem Campingpĺatz. Das nehme ich zum Anlass, um doch noch aufs Rad zu sitzen und los zu fahren. Ein unbeschreibliches Gefühl ohne Gegenwind zu radeln. Auch der Vätternsee zeigt sich von seiner schönsten Seite. Ich genieße die Landschaft, bleibe immer wieder stehen um Fotos zu machen und radle gemütlich nach Karlsborg. Hier mache ich am See Mittagsspause. Die haben sogar einen Sandstrand. Auf der Straße ist sehr viel weniger los als gestern. Durch eine Gegend, die durch Viehzucht geprägt ist und deren Felder nicht überdüngt sind, komme ich nach Askersund. Ich fahre zuerst in die Stadt, um Einzukaufen. Dann geht es zurück auf den Campingplatz. Für einen Ruhetag bin ich ganz schön weit gekommen. Für eine Wäsche bleibt auch noch Zeit und das Aufhängen lasse ich patentieren. Nicht sehr müde liege ich im Zelt und bin wieder guter Dinge, das Nordkap zu erreichen, weil ich jetzt weiß, dass der Wind auch Pause machen kann. Schöne Grüße. Ein ausgeruhter Radler.

Dienstag, 4. Juni 2013

16. TAG Der Vätternsee

Sonnenschein wie immer, nur heute war es spürbar kälter. Ich fuhr in kurzen Hosen los. Nach 5 Minuten zog ich die Lange und den Fleecepulli an und überlegte, ob ich nicht auch noch die warmen Handschuhe anziehen soll. Ich fuhr Richtung Jönköping und freute mich auf den Vätternsee. Das ich dabei die mühsam errungenen Höhenmeter von gestern innerhalb eines Kilometers zunichte machte, störte mich erst beim nächsten Anstieg. Die Abfahrt genoss ich in vollen Zügen. In einem Park in der Stadt machte ich Frühstückspause. Ich wollte jetzt aber unbedingt an den See und quälte mich durch die Stadt. Am See angekommen, trennten mich sowohl die Bahnstrecke als auch Bäume und Sträucher vom Wasser. Das sollte so bleiben bis fast nach Hjo. Es war eine anstregende Fahrt auf einer relativ stark befahrenen Straße. Die LKW sind hier deutlich größer als bei uns. Unser Trucker in der Messtechnik würde sich über 4-achser Zugmaschine und 4-achser Hänger sicher freuen. Ich aber musste jedesmal den Lenker fest in die Hand nehmen, um nicht umgeblasen zu werden. Auch beim böigen Wind wurde ich ganz schön gefordert. Und den Vätternsee bekam ich auch nicht zu Gesicht. Immer waren Wälder oder Wiesen zwischen mir und dem Ding meiner Begierde. Auf einem Rastplatz legte ich mich in die Sonne und schlief ein bißchen. Inzwischen mit kurzen Hosen unterwegs, wollte ich den nächsten Campingplatz anfahren. Da es aber erst halb zwei war, entschied ich mich, weiterzufahren. Das war gut. Endlich hatte ich Sicht auf den See und meine Beine wurden immer kräftiger. Sogar der Wind schien ein Einsehen zu haben und blies nur mehr sachte. In Hjo fand ich den Campingplatz. Ich stellte mein Zelt irgendwo auf, weil die Rezeption nur von 9 - 10 geöffnet ist. Dann ging ich Einkaufen. Schött Bular und eine Dose Gullaschsuppe. Alles in die Pfanne und ein gutes Abendessen war gezaubert. Ich bin sehr müde und überlege mir, hier einen Ruhetag einzulegen. Man wird sehen. Bis morgen.

Montag, 3. Juni 2013

15. TAG Schweden zeigt Flagge

Die Nacht war saukalt. Die Temperatur unter der Wohlfühltemperatur meines Schlafsacks, obwohl ich angezogen war wie im tiefsten Winter. Am frühen Morgen weckt mich die Sonne. Ich mache mir einen Tee und esse Brötchen. Bis das Rad wieder reisefertig ist ist es 8 Uhr. Ein Traumtag kündigt sich an. Schon nach 5 km ziehe ich die langen Hosen und die Windjacke aus. Ich fahre dem Fluss Lagan entlang. Die Straße ist kaum befahren. Es ist herrlich. Immer wieder Seen und wunderbare Wälder. An einem dieser Seen mache ich Mittagspause und schlafe nach dem Essen ein. Nach über einer Stunde wache ich auf. Der Wind ist noch stärker geworden. Jetzt weiß ich auch, warum bei jedem Haus eine Flagge hängt. Hier flattern sie so schön, bei uns würden sie nur herunterhängen. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom und nur tote Radler fahren mit dem Wind. Aber ich kann Euch sagen, dass ich am Abend auch fast tot bin. Ich sollte aber nicht jammern. Es ist eine herrliche Landschaft, das Wetter ist ein Traum, ich habe keinerlei Schmerzen und das bißchen Wind aus der falschen Richtung kann doch wirklich kein Problem sein. Jedenfalls habe ich heute den Campingpatz herbeigesehnt wie noch nie. Bei 10 bis 12 km/h können 20 km sehr lang werden. Deshalb auch der späte Bericht. Zuerst musste ich duschen und das erste Mal den Kocher auspacken, um mir Spaghetti zu kochen. Morgen werde ich einen kürzeren Tag machen. Ich kann doch nicht immer am Ziel müde vom Rad fallen. Schöne Grüße aus dem sonnigen und warmen Norden. Ein noch nicht ganz toter Radler.

Sonntag, 2. Juni 2013

14. TAG Schweden, endlich Schweden

Ich bin in Schweden. Vorher musste ich aber noch 10 km zur Fähre nach Helsingborg radeln. Das Wetter ist bedeckt und ziemlich kalt. Im Gegensatz zu Vorarlberg regnet es nicht, dafür bläst wieder ein kräftiger Wind. Wegen einer älteren Dame, die eine gefühlte Stunde braucht um ihr Ticket zu bezahlen, bin ich genau 20 Sekunden zu spät und muss in der Kälte eine halbe Stunde auf das nächste Schiff warten. Diesmal bin ich nicht der einzige Radler. Die Entäuschung hält sich in Grenzen. Beim Verlassen der Fähre kann ich seine Ortskenntnisse nutzen und fahre einfach hinter ihm her. Helsingborg begrüßt mich mit Sturm, Kälte und einer Bergwertung die mir alles abverlangt. Ich fahre auf meiner Route aus der Stadt hinaus und bin erstmal enttäuscht. Alles grau in grau und die ersten Kilometer ungepflegte Häuser, ungepflegte Wiesen und ungepflegte Menschen. Im ersten Lidl kaufe ich ein und hoffe auf bald besseres Wetter oder schönere Landschaft. Zu Mittag treibt mich die Kälte in eine Tankstelle um mich mit Tee und Hotdog aufzuwärmen. Nach der Pause geht ein wenig besser. Übrigens: der Wind kommt nicht mehr von vorne, sondern von der Seite. Das hebt die Laune beim Fahren deutlich. Dann plötzlich wie aus dem Nichts mein Schweden. Links und rechts Wälder, eine vierspurige Straße mit einer Zusatzspur nur für mich und kein Auto weit und breit. Ich glaube ich bin angekommen. So habe ich es mir vorgestellt. Zeitweise habe ich das Gefühl, dass ich auf einer Autobahn unterwegs bin. Ich verlasse deshalb diese "Autobahn" um nach ein paar Kilometer auf Seitenstraßen wieder auf genau diese Hauptstraße zurückzukehren. Da aber niemand hupt oder gestikuliert fahre ich einfach weiter. In Makaryd finde ich einen schönen Campingplatz an einem See. Beim Einchecken kaufe ich mir eine Campingcard, damit ich mir auf den Campingplätzen das einchecken mit Pass und Name und Adresse usw. ersparen kann. Ich bin jetzt Proficamper. Ich baue das Zelt bei stürmischem Wind auf. Gott sei Dank schaut mir niemand zu. Ich stelle mich selten dämlich an. Eine Card macht doch noch keinen Profi! Heute koche ich das erstemal in der Küche des Zeltplatzes eine Suppe mit Speck. Hätte nicht gedacht, was alles schmeckt wenn man Hunger hat. So und jetzt liege ich im Zelt. Draussen ist es immer noch windig. Morgen fahre ich Richtung Vätternsee. Bis morgen.

Samstag, 1. Juni 2013

13. TAG Dänemark bittersüß

Die erste Nacht im Zelt war gar sehr gut. Um halb 4 erwachte ich und hatte das Gefühl, dass es bereits Tag ist. Hier im Norden dämmert es viel länger. Nachdem ich mein Zelt abgebrochen hatte, ich brauchte ca. 1 Stunde, fuhr ich um halb acht bei strahlendem Sonnenschein los. Der Gegenwind war von der ersten Minute an mein bitterer Begleiter. Das Wetter die Landschaft und die hervorragenden Radwege waren das süße dieses Tages. Auf der endlosen geraden Straße Nr. 151 war aber nicht nur der Wind bitter, sondern auch das Auf und Ab. Um auf 100 m Höhe zu gelangen musste ich 250 Höhenmeter hinaufstrampeln. Auch das Hinunter war nicht anders. Am Mittag war ich jedenfalls genervt. In einer Würstelbude machte ich Mittagspause. Ich war fertig. Trotzdem musste ich weiter, an Kopenhagen vorbei. Eine schreckliche Gegend mit vierspurigen Straßen und viel Verkehr. Trotzdem gibt es immer einen breiten Radweg und einen Gehsteig neben den überbreiten Straßen. Oft sind die Spuren auch noch durch Grünstreifen getrennt. Ich habe plötzlich wieder Kraft bekommen und bin bis kurz vor Helsingor auf einen Campingplatz gefahren. Morgen komme ich endlich nach Schweden, auf das ich mich sehr freue. Ich hoffe, der Gegenwind ist etwas schwächer. Ich muss jetzt Schluss machen, weil ich meine Wäsche aus dem Trockner holen muss. Ich fühle mich wieder besser und werde mich zur Not mit dem Wind verbrüdern. Tschau bis morgen. 

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